Es begann mit einer Hostie

Pilgerwanderung auf dem Fränkischen Marienweg von Burgwindheim nach Schönbrunn

Am 13. Juni wanderte eine Gruppe von 20 Frauen und Männern unter der Führung von Domkapitular Martin Emge eine Etappe des fränkischen Marienweges von Burgwindheim nach Schönbrunn im Steigerwald. Der fränkische Marienweg ist ein ca. 2000 km langer Wander- und Radweg, der 90 Wallfahrtsorte in Franken verbindet. Mit einer Eucharistiefeier in der Heiligen-Blut-Kirche in Burgwindheim stimmten sich die Wanderer geistig auf den Weg ein. Martin Emge er läuterte die Entstehung der Wallfahrt zum Heiligen Blut, die zurückgeht auf eine Begebenheit während der Fronleichnamsprozession im Jahre 1465. Martin Emge stellt dazu einleitend die Frage: „Was glaubt ihr, wie schwer eine Hostie ist? Ein Standardbrief z.B. wiegt 20 Gramm, eine EC-Karte vielleicht 5 Gramm, eine Hostie etwa 2 Gramm.“ Es wird erzählt, dass während der Prozession auf dem Weg zum dritten Stationsaltar die Hostie ohne äußere Einwirkung wie Wind oder Bewegung aus der Monstranz zu Boden fiel. Alle Versuche des Pfarrers, die Hostie wieder aufzuheben scheiterten. Sie war wie festgeklebt und tonnenschwer. Um die Hostie zu schützen, errichtete man über ihr kurzerhand einen Bretterverschlag und bewachte sie streng. Am achten Tag nach Fronleichnam kam dann der Abt mit seinem gesamten Klosterkonvent, hob die Hostie auf und brachte sie in feierlichem Zug zur Pfarrkirche. Über der Stelle, wo die Hostie lag, wurde später die „Heilig-Blut-Kapelle“ errichtet und die Wallfahrt entwickelte sich. Nach der Eucharistiefeier sammelte sich die Pilger gruppe am Blutsbrunnen, nahe der Heilig-Blut-Kapelle. Das Wasser des Brunnens galt als heil- und wundertätig. Auf dem Pilgerweg – angeführt durch das Wallfahrtskreuz – Fürbitten, Lieder, Rosenkranzgesetze mit Bitten und Beistand zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Brennpunkten. Das Gelingen des Bistumsprozesses „Entscheiden und Handeln – Für eine Kirche mit Zukunft“ bildete einen weiteren Schwerpunkt der Gebete und Fürbitten. Der Pilgerweg führte uns vorbei an prächtigen Getreidefeldern und grünen Wiesen, durch sattgrüne Laubwälder und Höhen mit herrlichem Ausblick auf den Steigerwald. Martin Emge verstand es, Beobachtungen entlang des Pilgerweges in unsere Gebete und Fürbitten einzubeziehen. So haben wir z.B. für einen Mann gebetet, der in Nähe unseres Weges mit einer Motorsäge Brennholz aufbereitete. Wir beteten für den Mann, der mit seiner Arbeit für seine Familie sorgt. Wir beteten für alle Männer, Familienväter, die für ihre Familien sorgen. Wir baten um den Segen Gottes für Ihre Arbeit und ihre Familien. Nach zwei Drittel unseres Weges erreichten wir die Waldkapelle St. Anna, deren Errichtung auf ein Gelübde von Männern aus dem nahe gelegenen Schönbrunn zurückgeht. Sie gelobten, an diesem Ort eine Kapelle zu bauen, wenn Sie heil aus dem zweiten Weltkrieg wieder heimkommen. Den Mittelpunkt der Kapelle bildet die Skulptur der heiligen Mutter Anna mit dem Jesuskind auf dem einen Arm und ihre Tochter Maria umarmend auf der rechten Seite. Großmutter, Tochter und Enkel – ein starkes Bild für unsere Zeit. Unsere Gebete und Für bitten in der Kapelle gingen um die Generation Anna, die heute die Generationen zusammenhält, den Glauben und eine lebenslange Erfahrung weitergibt. Die Rolle der Generation Anna als generationsübergreifende Klammer ist nicht hoch genug einzuschätzen angesichts der aktuellen Situation von Familien, wo vielfach Mann und Frau einer Erwerbsarbeit nachgehen und die Erziehung an Kinderhäuser und Schulen übertragen ist. Auf Anregung von Martin Emge nannte reihum jeder der anwesenden Wanderer die Vornamen seiner Großeltern väterlicher- und mütterlicherseits. Wir gedachten im Gebet und in Fürbitten an unsere Großeltern. Nach einer Stärkung gingen wir das letzte Drittel des Weges an und erreichten schließlich gegen 14 Uhr die Pfarrkirche in Schönbrunn, wo wir uns für den Schutz auf unserem Weg bedankten. Martin Emge spendete uns den Abschlusssegen. Anschließend begaben wir uns in den Brauereigasthof Wernsdörfer und stärkten uns mit einem herz haften Mittagessen und fränkischen Bier. Wir hatten dabei Gelegenheit uns auszutauschen und näher kennenzulernen, da sich viele Teilnehmer vorher nicht kannten.

Josef – Zeitschrift für katholische Männer (Nr. 01/2026)